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Business Ghosting

Business Ghosting: Die unsichtbare Gefahr für Agenturen und ihre Partner:innen

In der heutigen Geschäftswelt sind schnelle Kommunikation und zuverlässige Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung. Doch was passiert, wenn eine Partei plötzlich den Kontakt abbricht und ohne Vorwarnung verschwindet? Dieses Phänomen, auch als „Ghosting“ bekannt, hat nicht nur Auswirkungen auf persönliche Beziehungen, sondern auch auf Geschäftspartner:innen. Verbindlichkeit und Erreichbarkeit haben in der Geschäftswelt mit der Corona-Pandemie und dem Abtauchen von Ansprechpartner:innen im Homeoffice ganz offenbar Spuren hinterlassen. Anlass genug sich mit dem Phänomen des  Business Ghostings auseinanderzusetzen und insbesondere die negativen Auswirkungen für Agenturen, die personelle Ressourcen bereitstellen und ihre mittelfristige Planung nicht umsetzen können, in Augenschein zu nehmen. Dabei wird auch das Manifest von Fairgency, eine Rolle spielen, definiert es doch nicht nur den Umgang mit Mitarbeiter:innen, sondern eben auch mit Kunden und Geschäftspartnern.

Was ist Business Ghosting?

Unter Business Ghosting versteht man das plötzliche und unerklärliche Verschwinden einer Geschäftspartei, ohne klare Kommunikation oder Vorwarnung. Dabei kann es sich um Kunden, Partnerunternehmen oder Dienstleister handeln. Diese Art des Abbruchs der Zusammenarbeit kann verschiedene Formen annehmen, wie beispielsweise das Ignorieren von Anrufen und E-Mails, das Ausbleiben oder unvermittelte Absagen von vereinbarten Treffen, das “Sitzenlassen” in verabredeten Videocalls oder das plötzliche Ende einer bereits laufenden Kooperation.

Dabei kann Business Ghosting erhebliche Nachteile für Businesspartner mit sich bringen. Im Falle von Agenturen, die personelle Ressourcen bereitstellen, kann es zu erheblichen Problemen bei der mittelfristigen Planung kommen. Wenn Kunden oder Partnerunternehmen ohne Vorwarnung den Kontakt abbrechen, können Agenturen Schwierigkeiten haben, ihre Mitarbeiter:innen effektiv einzusetzen.

Das führt zwangsläufig zu Leerlaufzeiten, ineffizienter Ressourcennutzung und finanziellen Einbußen. Darüber hinaus kann Business Ghosting das Vertrauen zwischen den Parteien stark beeinträchtigen und somit langfristige Geschäftsbeziehungen gefährden oder gar verhindern.

Das Manifest von Fairgency

Die Agenturen des Netzwerks Fairgency setzen sich unter anderem für faire und transparente Geschäftspraktiken ein. Das ist auch in unserem gemeinsamen Manifest dokumentiert. Unser gemeinsames Manifest beinhaltet unter anderem “ein wertschätzendes Miteinander (..). Dazu gehört eine offene Kommunikation, sowie eine angemessene Feedbackkultur. Die Wertschätzung(..) gilt für alle Personengruppen, mit denen die Agentur in Kontakt tritt.”

Das einseitige Beenden jeglicher Kommunikation, das Aussitzen von Projekten, einer fest vereinbarten Zusammenarbeit oder Angeboten, die vor Wochen und Monaten bereits vorgelegen haben, ist mit diesem Anspruch an gegenseitige Wertschätzung schlicht nicht zu vereinbaren. Ähnliches gilt für unsere im Manifest dokumentierte Transparenzforderung. Ein kurzes “Angebot liegt vor, wir können uns aber erst in XY Wochen dazu äußern” oder auch eine klare Absage gern verbunden mit der Bitte um Verständnis – insbesondere dann, wenn mündlich vorzugsweise in großer Runde bereits der Projektstart fixiert wurde – sind nach meiner Auffassung von fairem Miteinander das absolut Mindeste, was zu erwarten wäre.

Fairgency - Business Ghosting

Leider zeigt die Praxis der letzten Monate und Jahre, dass diese Auffassung offenbar von einigen, leider immer mehr Menschen nicht mehr geteilt wird. Mir ist rätselhaft, warum das so ist. In jeder Geschäftsbeziehung lassen wir uns an unseren Ergebnissen und dem damit verbundenen Aufwand messen, sorgen für Transparenz und – wo nicht vorhanden – ehrlichen Realismus, was die Erwartungshaltung unserer Kunden angeht. Wieso sollte es also hinnehmbar sein, wenn mögliche Kunden, aber auch Dienstleister diesem Anspruch nicht Rechnung tragen? Verantwortung für eine gute Zusammenarbeit tragen immer beide Seiten. Das zumindest ist mein Verständnis von einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe, wie sie im Manifest ebenfalls formuliert ist. 

Lösungsansätze für Agenturen

Um die negativen Folgen von Business Ghosting für Agenturen zu minimieren, gibt es einige Maßnahmen, die ich noch vor ein paar Jahren für unnötig gehalten hätte, mittlerweile aber jedem Betroffenen dringend ans Herz legen möchte. Klare Verträge und Vereinbarungen zwischen den Beteiligten sind ohnehin wichtig. Auch eine entsprechende “Risikomischung” (aka diversifizierte Kundenbasis) hinsichtlich der Größe der Projekte ist nichts wirklich Neues. Darüber hinaus plädieren wir im Sinne eines fairen Miteinanders, bei dem sich Auftraggeber und bewusst gewählter Dienstleister stets auf Augenhöhe bewegen für weitere Regelungen, die Business Ghosting vorbauen. Dazu gehören Ausfallhonorare und Abschlagszahlungen. Leider kein schönes Stilmittel, aber mittlerweile unverzichtbar, um mögliche Businesspartner zu mehr Verbindlichkeit zu bewegen.

Die Zeit der Geschäfte per Handschlag scheint – leider – vorbei zu sein.

Wer sich nicht mit klaren, finanziellen Regelungen schützt, geht im Fall von unerwarteten und unabsehbaren Verzögerungen oder unausgesprochenen Absagen sonst leer aus. Überflüssig zu erwähnen, dass sich in solchen Fällen dann die Geschäftsbeziehung ohnehin erledigt hat. Ein faires Miteinander jedenfalls ist in solchen Fällen schlicht nicht mehr möglich. Und wie so oft hilft es nicht, derartige Phänomene auszusitzen in der Hoffnung, dass sie irgendwann wieder vorübergehen. Wirklich ändern kann sich nur etwas, wenn wir darüber sprechen und handeln. So wie im echten (Agentur)Leben eben.

Seit 2005 kommunizieren Unternehmensgründer und Geschäftsführer Christoph Salzig und sein Team im Herzen von Münster für Kunden aus der Tech-Branche, der digitalen Wirtschaft, der Industrie und B2B-Unternehmen mit technologischen Führungsanspruch. Das Team pflegt ein breites Netzwerk und enge Beziehungen zu Journalist:innen und Influencer:innen in Publikums-, Branchen-, Fach- und Wirtschaftsmedien.

Das Content- und Community-Hub Fairgency richtet sich an all jene, die eine faire Agenturwelt bereits heute gestalten. Sie teilen auf Fairgency ihre Erfahrungen und Expertisen mit denen, die diese Welt noch fairer machen wollen. Die Inhalte auf Fairgency werden von allen teilnehmenden Agenturen geschaffen, die sich zu unserem Manifest bekennen. Diese Insights wiederum bieten die Grundlage für eine Community, die offen über aktuelle Probleme, vergangene Herausforderungen und die Aufgaben der Zukunft spricht.

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